Barfußzeit

Die langen Tage haben begonnen –

nachts, wenn ich ins Bett gehe, sieht der Himmel im Norden so aus –

morgens gegen halb vier singen die Amseln des Friedhofes den Tag an –

und zwischendurch – Postkarte.

Das älteste Lebewesen der Insel – der Maulbeerbaum

– blüht wie eh und je. 150 Jahre, sagt die Inselchronik, sei er alt und habe vor dem alten Pastorhaus die jungen Leute ‚beschirmt‘, die sich ohne Formalitäten zusammen taten. Aus dem alten verkohlten Stumpf habe er sich nach dem Big Bäng 1947 wieder herausgearbeitet.

Wie viel an Leid hat er gesehen – was würde er erzählen, wenn wir die Sprache seiner Blätter verständen?

Am Südstrand Sommeridylle mit Promenade und Hotelcafés –

ein Schläfchen in der Mittagswärme –

und Helgoländer Humor –

Am Vogelfelsen draußen rufen die großen Lummen die kleinen ins Wasser hinunter. – ,wenn sie es noch schaffen, denn auch dieses Jahr ist die Vogelgrippe wieder auf dem Felsen angekommen – und wütet diesmal eher unter den Lummen. Am Rand der Klippe stehen große Zweibeiner – wartend auf den Sprung der jungen Lummen.

In der Basstölpelkolonie hört man das Fiepen der kleinen Dinos, die unter Papas oder Mamas Brust sitzen.

Ein Flieger zieht eine Spur nach Norden.

Sonnenzeit …

Unsere Trachy

Touristengespräche unter meinem Fenster:

„Ohh – eine Palme!!!!“ – „Na – die hat schon bessere Tage gesehen“.

Ja – hat sie sicherlich, seit sie 2004 im Rahmen eines Siedlungsprojektes für exotische Pflanzen in den Garten meines Nachbarn fand.

Einige ihrer Artgenossen – und auch andere Exoten – überstanden die ersten Jahre nicht. Aber diese schon – und sie ist inzwischen fast haushoch.

Tapfer wehrt sie sich in den Winterstürmen gegen den harten Nordwind.

einen einseitigen Kahlschnitt durch rabiate Fernsehgucker hat sie auch überstanden.

Im Sommer ist sie regelmäßig Heimat von Finken.

Die Finken lieben sie, weil sie feine Fasern produziert, die sich zum Polstern der Nester eignen.

Manchmal möche ich sagen: „Ja,ja – und guckt mal meine kleine Eiche.“

Sie ist die einzige auf Helgoland.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist….

Sie ist wieder da

Drei magere Jahre mussten die Fans der Rock’n’Roll-Butterfahrt warten.

Es ist das kleinste deutsche Festival am Ende der Welt.

2003 begann das Festival mit gerade mal 80 Freunden des Punkrocks. Heutzutage kommen annähernd 900 Besucher, um auf der Düne zu feiern.

Sie fallen schon auf – die Fans. Zwischen dem Beige bis Anthrazit ambitionierter Naturfreunde, dem gepflegten Chic von Hamburger Penisonären oder dem körperbetonten Sportdress der Marathonläufer wirken die Butterfahrer wie wilde Gesellen.

Die Party steigt nicht allein auf der Düne am Abend. Den ganzen Tag sitzt man zusammen.

Die gesamte Südstrandmeile ist passend dekoriert.

Für ein Wochenende haben die Punks den Felsen übernommen.

Am Friedhof der Namenlosen auf der Düne befindet sich eine Stele

sie erinnert an die vergangenen Leben, die verlorenen Freunde –

Trotz bunter Haare, schwarzer Klamotten und gepiercten Augenbrauen – sie sind die weitaus achtsamsten Gäste auf Helgoland.

A moment of silence …. after the party